03.07.2010

Strahlende Gesichter bei der symbolischen Schlüsselübergabe (vorne v. l.): Irene Stenzig (Ressortleiterin), die Bewohner Dominic, Kevin, Frank und Melina, Heike Genz (Teamleiterin des Hauses) und Heiko (Bewohner); (hinten v. l.): Ingo Hoff (Geschäftsführer von Hoff und Partner) und Pfarrer Prof. Dr. Dierk Starnitzke (Vorstandssprecher der Stiftung).Fotos: fz

Gronau - Das Karussell der Wünsche dreht sich: eine Schaukel, eine Rutsche, eine ruhige Ecke im Garten, eine eigene Wohnung, Arbeit in der freien Wirtschaft. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die seit Kurzem im neuen Wohnhaus des Wittekindshofs an der Königsstraße leben, lesen diese Wünsche von bunten Karten ab. Dann stecken sie die Karten in das selbst gebastelte Wunschkarussell.

Mit ihrer Aktion verdeutlichten die jungen Bewohner die Dynamik und Vielfalt des Lebens, das schon jetzt in den Neubau Einzug gehalten hat. Am Freitag wurde das Wohnhaus für Kinder und Jugendliche mit Behinderung der Diakonischen Stiftung Wittekindshof eingeweiht.

Über 100 Gäste begrüßte Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Pfarrer und Vorstandssprecher der Stiftung, zu der Feierstunde im eigens dafür aufgebauten Festzelt. Starnitzke nutzte den freudigen Anlass auch zu kritischen Worten. In Zeiten leerer Kassen sei die Finanzierung von Angeboten für Menschen mit Behinderungen ernsthaft gefährdet: „Es kann und darf nicht sein, dass sich die Banken und Unternehmen sogar an den klammen öffentlichen Kassen durch Spekulationen bereichern. Und dass die große Politik dann ausgerechnet im Sozialbereich den Rotstift ansetzt, um ihre Haushalte zu sanieren.“

In dem neuen Wohnhaus sind ein Trainingswohnbereich, ein Heilpädagogischer Intensivbereich und vier Wohngruppen für jeweils vier Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene entstanden. Den Bewohnern soll hier ein Leben in Würde und - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - größtmöglicher Selbstbestimmung ermöglicht werden, erklärte Irene Stenzig, zuständige Ressortleiterin der Stiftung, den Festgästen.

Den symbolischen Schlüssel für den Neubau überreichte Ingo Hoff, Geschäftsführer des ausführenden Architekturbüros Hoff und Partner. Die Architektur des markanten Gebäudes hat schon viel Lob erfahren. „Viel wichtiger als der Bau eines Gebäudes ist es, dieses mit Leben zu füllen“, sagte Hoff bescheiden. Die Schaukel, die auf einem Zettel im Wunschkarussell steht, stellte er auch in Aussicht.Gute Wünsche für das Leben und Arbeiten in der neuen Einrichtung überbrachten Landtagsabgeordneter Bernhard Tenhumberg, Superintendent Joachim Anicker (Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken), Reinhard Groschke (Fachbereichsleiter des Kreises Borken), Frank Vetter (Stadtbaurat Gronau) und Dr. Thomas Bröcheler (Direktor der Stiftung Haus Hall). An die Feierstunde schloss sich ab 13 Uhr ein Tag der offenen Tür an. Dabei konnten die Besucher sich einen Eindruck davon verschaffen, was hinter der markanten Fassade ist.

VON FRANK ZIMMERMANN, GRONAU