
Gronau - „Der Hauptunterschied zwischen Ihren Betrieben und den Wittekindshofer Werkstätten besteht darin, dass Sie die passenden Mitarbeiter für die vorhandene Arbeit auswählen und wir die passende Arbeit für jeden einzelnen Beschäftigten suchen.“ Das erklärte Michael Bleiber, Leiter der Wittekindshofer Werkstätten beim Treffen der Regionalgruppen Ahaus und Gronau des Unternehmensverbandes „Aktive Unternehmen im Westmünsterland e.V. (AIW)“. Rund 25 Vertreter verschiedener Firmen aus dem Kreis Borken waren in die Wittekindshofer Werkstätten gekommen, um die Besonderheiten einer anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen, aber auch Kooperationsmöglichkeiten kennenzulernen.
Auf der einen Seite sahen die Gäste viele Parallelen zu ihren eigenen Betrieben. Auch die Wittekindshofer Werkstätten sind zertifiziert, und sie führen Beiträge an die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung für alle Beschäftigten ab. „Wir müssen uns am Markt behaupten. Wir schreiben Angebote und hoffen auf den Zuschlag, um Arbeit zu haben, aber auch um Geld einzunehmen, weil aus den Erlösen unserer Produktion und unserer Dienstleistungen die Löhne der Beschäftigten mit Behinderung bezahlt werden müssen“, erklärte Bleiber und wies darauf hin, dass in einer Werkstatt für behinderte Menschen weder Kurzarbeit noch Entlassungen bei schlechter Auftragslage möglich seien. „Unser Auftrag ist es, Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen und Fortbildungen anzubieten, damit sich die Beschäftigten in ihrer Persönlichkeit, aber auch fachlich weiter entwickeln können“, berichtet der Werkstattleiter. Er betonte, dass für diese Assistenzaufgaben Tagesgelder der Agentur für Arbeit, manchmal der Renten- und Unfallversicherung und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe bezahlt werden, die jedoch nicht in die Produktion einflössen.
Überzeugt ist Michael Bleiber, dass für Unternehmen aus dem Westmünsterland und für die Wittekindshofer Werkstätten Gronau Win-Win-Situationen möglich sind: „Der AIW möchte das wirtschaftliche, strukturelle und gesellschaftliche Umfeld aktiv gestalten. Wir betrachten uns als Teil dieses Systems. Die Wittekindshofer Werkstätten können dazu beitragen, dass Ihre Unternehmensaktivitäten qualitativ hochwertig und effizient sind, indem wir Montage-, Verpackungs- oder Dienstleistungsaufgaben und Sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen“, erklärte Bleiber. Er wies darauf hin, dass Unternehmen die Hälfte der Arbeitskosten bei der Auftragsvergabe an eine Werkstatt für behinderte Menschen mit der Ausgleichsabgabe verrechnen könnten. Eine Ausgleichsabgabe müssen die Unternehmen zahlen, die nicht mindestens fünf Prozent schwerbehinderte Mitarbeiter beschäftigen.
Vor Ort ließen sich die AIW-Mitglieder erläutern, wie höchste Qualitätsanforderungen auch mit sehr schwer behinderten Menschen sichergestellt werden. „Wir zerlegen Arbeitsaufträge in viele Einzelschritte, die an die individuellen Fähigkeiten des Einzelnen angepasst sind. Dafür werden in der Arbeitsvorbereitung Hilfsmittel gebaut, durch die Fehler von vornherein ausgeschlossen oder durch die zusätzliche Kontrollen sichergestellt werden“, erklärte Bleiber. AIW-Regionalvorstand Ingo Hoff sagte: „Wir müssen uns in der Region gegenseitig wahrnehmen, um dann zu entdecken, wo und wie wir uns ergänzen. Der AIW will genau dafür eine Plattform bieten. Der Besuch war ein erster Schritt, dem weitere folgen sollten.“